Stabilität

Ein beliebtes Vorurteil vieler Investoren ist, dass ein höheres Risiko auch mit höheren Erträgen verbunden ist.

 

Risiko/Ertrag: Traditionelle Auffassung

 

Diese Behauptung stellt auch eine der Grundannahmen der klassischen Investmenttheorie dar und soll den Zielkonflikt beschreiben, dem jeder Investor bei seiner Anlageentscheidung gegenüber steht: Bin ich bereit, für einen möglichen zusätzlichen Ertrag ein erhöhtes Risiko einzugehen?

Risiko/Ertrag: Tatsächlicher Zusammenhang

 

Diese Aussage hat sich erfahrungsgemäß jedoch als zu einfach erwiesen. Tatsächlich ist es so, dass dieser Zusammenhang nur im Bereich geringer und moderater Risiken gilt. Im Bereich hoher Risiken hat es sich allerdings gezeigt, dass mit steigenden Risiken auch die Erträge sinken.

 

In Hinblick auf Aktienanlagen haben sich zwei Investmentstile herausgebildet, mit denen man diese Erkenntnis umsetzen kann:

 

  1. Minimierung des operativen Risikos: Hierbei werden die Aktieninvestments auf Unternehmen aus ertragsstabilen Sektoren wie Nahrungsmittel, Haushaltswaren oder Medizintechnik fokussiert. Dieser Ansatz führt zu relativ ähnlichen Ergebnissen wie die Vorgehensweise, nach ertragstabilen Wachstumsaktien zu suchen.
  2. Minimierung des mathematischen Risikos: Hierbei werden Optimierungsmodelle gerechnet, die vor allem auf Aktien mit einer niedrigen Varianz und damit einem niedrigen Kursrisiko setzten. Problematisch an einem rein quantitativen Vorgehen kann allerdings sein, dass das Liquiditätsrisiko oft nur ungenügend berücksichtigt wird. Zudem ist das Kursrisiko nicht immer auch ein guter Indikation für das Ausfallrisiko.

 

Beide Ansätze erfreuen sich noch nicht der Beliebtheit, die sie aufgrund ihrer längerfristigen Performanceeigenschaften verdienen. Grund hierfür dürfte sein, dass sie ihre Überlegenheit gegenüber konventionellen Indexinvestments vor allem in schwierigen Marktphasen erweisen, in denen die Kursentwicklung durch konjunkturelle und politische Unsicherheiten dominiert wird. In Aufschwungphasen hingegen tendieren sie dazu, hinter dem Markt zurückzubleiben, da sich optimistischer werdende Investoren dann auf qualitativ weniger gute Aktien mit „Nachholpotenzial“ stürzen. Investmentmanager werden derzeit vor allem sehr kurzfristig beurteilt und haben daher oft Angst, ein größeres Abweichungsrisiko zu einem Marktindex einzugehen. Wer in einer Aufschwungphase hinter dem Markt zurückbleibt wird oft relativ schnell von Consultants und Kunden abgestraft, selbst wenn er längerfristig gesehen das bessere Konzept hat.