Value Aktien

1) Klassische Value-Strategie

 

Die Value-Strategie stellt die klassische Form eines auf der Fundamentalanalyse aufbauenden Investmentansatzes dar. Ihr Konzept basiert auf Benjamin Grahams Büchern „Security Analysis“ (1936, gemeinsam mit David Dodd) und „The Intelligent Investor“ (1949).

 

Value-Investoren setzten darauf, Aktien zu finden, die vom Markt unterbewertet werden. I.d.R. versuchen Value-Anleger durch verschiedene Bewertungsverfahren eine Art „fairen Wert“ (oder auch „inneren Wert“) für eine Kapitalanlage zu ermitteln. Wenn der Börsenwert hiervon erheblich abweicht, ergeben sich hieraus Kauf- oder Verkaufsmöglichkeiten.

 

Voraussetzung für das Funktionieren von Value-Investing ist, dass es einen Marktmechanismus gibt, der dazu führt, dass fehlbewertete Aktien sich wieder ihrem tatsächlichen Wert annähern.

 

Value-Investing war vor allem erfolgreich, als mangelnde Investoreninformation und schlechte Informationsverarbeitung noch die Hauptgründe für gravierende Über- und Unterbewertungen am Kapitalmarkt waren. Der Marktmechanismus, der für eine Angleichung des Aktienkurses an seinen fairen Wert sorgte, bestand einfach in einer Verbesserung der allgemeinen Information über diesen Titel.

 

Dies ist heutzutage aufgrund des hohen Grades an Versorgung mit Finanzmarktinformation sowie strenger Beschränkungen beim Erwerb von sogenannten „Insider Informationen“ nur noch selten der Fall. Lediglich bei relativ kleinen und wenig bekannten Unternehmen kann ein Anleger heutzutage einen legalen Informationsvorsprung erwerben und zu seinem Vorteil nutzen.

 

Unterbewertungen werden heutzutage vor allem davon verursacht, dass die meisten Investoren bestimmten Unternehmen und ihren Geschäftsaussichten nicht vertrauen. Für dieses Misstrauen kann es verschiedene Gründe geben: Das Unternehmen gehört einem unpopulären Sektor an oder ist in einem unbeliebten Land beheimatet; das rechtliche Umfeld oder die allgemeinen Wirtschaftsaussichten werden negativ eingeschätzt; möglicherweise hat das Unternehmen in der Vergangenheit Investoren enttäuscht oder das Management wird unterschätzt. Überbewertungen hingegen liegen heutzutage vor allem in einem Übermaß an Vertrauen in das jeweilige Unternehmen begründet, sodass übertriebene oder unrealistische Erwartungen an die Unternehmensentwicklung gebildet werden.

 

Verstärkt werden gravierende Über- und Unterbewertungen durch die Tendenz vieler Investoren, in ihrem Anlageverhalten andere Investoren nachzumachen und Trends zu folgen, egal wie fundamental begründet oder wie unsinnig diese Trends sind. Value-Investoren positionieren sich eindeutig gegen Trends, die sie als fundamental ungerechtfertigt ansehen, selbst wenn diese noch anhalten. Sie werden deshalb oft auch als „contrarian investors“ – Querkopfinvestoren – bezeichnet.

 

Das Umfeld für Value-Investoren ist heutzutage schwierig geworden, da es nur sehr schwer abzuschätzen ist, wann bei einer unterbewerten Aktie der Prozess der Vertrauensbildung einsetzt, der wieder zu einer Höherbewertung führt. Wer in unterbewertete Titel investiert, muss sehr geduldig sein, weil er möglicherweise sehr lange warten muss, der Markt den wahren Wert seines Investments erkennt. Wer als Investor aber diese Geduld mitbringt, für den können Value-Investments der Schlüssel zu einem langfristig sehr guten Anlageerfolg sein.

 

2) Dividendenstrategie

 

Eine spezielle Form des Value-Investierens ist die sogenannte Dividendenstrategie. Bei ihr wird die Unterbewertung einer Aktie vor allem an einer Kennzahl, der Dividendenrendite, festgemacht. Aktien, die eine zum Kurs relativ hohe Ausschüttung haben, werden als Investments bevorzugt. Die Dividendenstrategie ist vor allem bei Investoren sehr beliebt, die hohe laufende Zahlungen aus ihrer Aktienanlage haben wollen und weniger auf Kapitalwachstum wert legen.

 

Die alleinige Fokussierung auf Dividenden erscheint aus unserer Sicht allerdings problematisch, da hohe Dividenden auch der Ausdruck von fundamentalen Problemen sein können. Insbesondere sehr hohe Dividendenrenditen sind oft zuverlässige Warnsignale für Fehlentwicklungen. Insofern erfordert eine erfolgreiche Dividendenstrategie eine besonders sorgfältige Risikoabschätzung.