Value Renten

Value-Investoren bei Renten suchen nach unterbewerten Anleihen und wollen sich so einen Renditevorteil gegenüber anderen Anlegern sichern.

 

Staatsanleihen in ökonomisch besonders wichtigen Nationen wie den USA oder Deutschland oder besonders soliden Ländern wie der Schweiz werden i.d.R. in Hinblick auf das Ausfallrisiko als maximal sicher angesehen. Andere festverzinsliche Wertpapiere werfen deshalb normalerweise eine höhere Rendite als sie ab.

 

Der Renditeunterschied wird auch Risikoprämie genannt, weil die Höhe das Ausmaß des Risikos reflektieren sollte, das ein Anleger auf sich nimmt, wenn er diese Anlage statt einer sicheren Staatsanleihe wählt.

 

Ist diese Risikoprämie aber viel höher, als das tatsächliche Ausfallrisiko impliziert, kommt die Chance von Value-Investoren im Rentenbereich. Sie untersuchen mit fundamentalanalytischen Methoden das Ausfallrisiko einer Anleihe. Wenn die im Marktpreis reflektierte Rendite deutlich höher ist als die analytisch ermittelte „faire Risikoprämie“, ergibt sich für sie eine Kaufgelegenheit.

 

Value-Investoren in Renten haben einen Vorteil gegenüber Value-Investoren in Aktien: Aktien benötigen einen Marktmechanismus, damit sie sich wieder an ihren fairen Wert annähern. Sie sind darauf angewiesen, dass sie vom Markt entdeckt werden. Niemand kann prognostizieren, wann dies geschieht, oder ob es überhaupt geschieht. Renten hingegen haben i.d.R. eine Endfälligkeit. Spätestens zum Zeitpunkt der Rückzahlung einer Anleihe ist sie wieder bei ihrem fairen Wert.

 

Bei der Suche nach unterbewerten Anleihen lassen sich grundsätzlich 3 Vorgehensweisen unterscheiden:

 

1) Staatsanleihen mit nicht erstklassiger Bonität

 

Staatsanleihen aus Ländern, die entweder noch nicht den Entwicklungsstand der führenden Industrienationen besitzen oder die ökonomische bzw. politische Probleme haben, weisen i.d.R. einen Renditeaufschlag zu sehr sicheren Staatsanleihen auf. Um ihre Eignung als Investment einschätzen zu können, muss beurteilt werden, ob und inwieweit Staaten in der Lage und Willens sind, ihre Schulden zurückzuzahlen. Weiterhin gilt es zu bewerten, ob die politischen oder wirtschaftlichen Risiken schon in dem Zinsaufschlag berücksichtigt sind.

 

Insbesondere Kapitalanlagen in Staatsanleihen von Schwellenländern (Emerging Markets) haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung zugenommen. Unserer Einschätzung nach unterschätzen viele Investoren gerade die politischen Risiken, die mit einer Anlage in wenig stabilen Staaten verbunden sind.

 

2) Unternehmensanleihen mit Investment Grade:

 

Unternehmen mit Investment Grade sind grundsätzlich sehr solide, ihre Anleihen haben nur ein sehr geringes Ausfallrisiko. Dennoch weisen sie eine Rendite auf, die über derjenigen von Staatsanleihen liegt. Um zu beurteilen, ob diese Titel als Investment geeignet sind, müssen die Umstände bewertet werden, die zu einer Verschlechterung der Bonität führen können.

 

Das Ausmaß der Risikoprämie zu sicheren Staatsanleihen ist sehr stark von der Marktphase abhängig. Während in ruhigen Zeiten am Kapitalmarkt die Risikoprämie für relativ sichere Unternehmensanleihen auf wenige Basispunkte zusammenschmelzen kann, weitet sie sich in Phasen der Unsicherheit normalerweise wieder deutlich aus.

 

3) Hochzinsanleihen (Junk Bonds)

 

Bei Hochzinsanleihen (Junk Bonds) handelt es sich um festverzinsliche Wertpapiere mit erhöhtem Ausfallrisiko, die einen sehr hohen Renditeaufschlag zu Staatsanleihen bieten. Sie stellen die aggressivste Form dar, in Anleihen zu investieren. Für den Erfolg dieser Methode ist eine eingehende finanzanalytische Betrachtung des Anleiheeminenten sowie ein genaues Risikomanagement entscheidet. Die Erfolgsaussichten dieser Strategie sind darüber hinaus relativ stark vom Konjunkturzyklus abhängig. In der Spätphase eines Konjunkturaufschwungs sind normalerweise die Risikoprämien relativ niedrig. Gleichzeitig nehmen die Ausfallrisiken zu, womit auch das Umfeld für Hochzinsanleihen schwieriger wird. In der Frühphase eines Konjunkturaufschwungs hingegen sind mit Hochzinsanleihen die größten Wertgewinne zu erzielen. Normalerweise sind die Zinsaufschläge noch relativ hoch, während gleichzeitig die Ausfallrisiken zurückgehen.